Almería, das landwirtschaftliche Zentrum Andalusiens

Die Küstenstadt Almería hat gegenwärtig rund 200.000 Einwohner und gehört damit zu den größten Städten Andalusiens. Auch wenn hier bereits zur Steinzeit eine Ansiedlung nachgewiesen werden kann, so wurde die Stadt Almería als solches erst im Jahr 955 von Abd ar-Rahmann III. (Abderramán III) als Hauptstadt seines neuen Reiches gegründet. Im Mittelalter, ab dem Ende der arabischen Herrschaft, war Almería die Stadt Andalusiens die am meisten von tödlichen Krankheiten, aber auch von Erdbeben, heimgesucht wurde und ihre Bedeutung nahezu verlor. Erst im 19. Jahrhundert kam dann mit dem Hafen der Stadt und dem Export von Eisen eine neue Glanzzeit nach Almería.
 
Heute ist Almería, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, vor allem bekannt für den Export von landwirtschaftlichen Gütern, da es keine Stadt Europas gibt aus der so viele landwirtschaftliche Produkte, insbesondere Gemüse, exportiert werden als aus Almería. Während die Stadt als solches eine sehr moderne Stadt in Andalusien ist, so ist sie von unzähligen Gewächshäusern, dem sogenannten Plastikmeer, umgeben, die allerdings sehr wenigen Großbesitzern gehören und Europa mit Gemüse versorgen. Während der arabischen Zeit Andalusiens war Almería noch für die Herstellung und den Export von Seide bekannt, dem damaligen Exportgut der Stadt.

Almería, das landwirtschaftliche Zentrum Andalusiens
Foto: Herbert Kårlin

Wie so viele Küstenstädte Andalusiens, so liegt zwar die Durchschnittshöhe Almerías nur bei 16 Meter über dem Meeresniveau und selbst die Alcazaba liegt nur auf einer Höhe von 86 Meter, und dennoch werden in Almería auch Naturtouristen und Wanderer einen idealen Ausgangspunkt finden, denn sowohl die Sierra de Gádor, ein Bergland das in der Provinz Almería die 600-Meter-Grenze überschreitet, als auch die Sierra Alhamilla, die innerhalb der Provinz eine Höhe von 1387 Meter erreicht, eigenen sich für einzigartige Entdeckungen innerhalb der Provinz Almería.
 
Almería war bereits unter der Epoche der Römer eine bedeutende Hafenstadt und wurde daher Portus Magnus (großer Hafen) genannt, wobei der heutige Name der Stadt Almería jedoch vermutlich nur bis zur arabischen Zeit Andalusiens zurückreicht, denn zu jener Zeit wurde Almería Al-Mariyya genannt, was "Spiegel des Meeres" bedeutet. Im Jahr 955 kann man dann die Bezeichnung Al-Mariyyaat Bayyaana finden, wobei das Wort Bayyaana einen Wachturm bezeichnet und vermutlich an den ersten Wachturm erinnert von dem aus man die Küste überwachte um vor der Ankunft der Wikinger warnen zu können. Dass die Stadt nach der Reconquista dann Almería genannt wurde, war daher nur noch ein kleiner Schritt vom arabischen Namen zu einem spanischen Begriff.
 
Während die Landwirtschaft die bedeutendste Einnahmequelle der Region Almería ist, so handelt es sich bei der Stadt selbst um den Tourismus, obwohl allein Mälaga und Cädiz rund 50 Prozent aller Touristen anziehen, in Almería daher nur etwa acht Prozent der Touristen Andalusiens ankommen. Aber immerhin besuchen jährlich über 2,5 Millionen Touristen Almería mit seinen Stränden und Sehenswürdigkeiten, und sie bleiben im Durchschnitt jeweils sieben Tage lang in der Stadt um diese wirklich entdecken zu können. Der Nachteil ist allerdings dass die Touristen in Almería täglich nur sehr wenig Geld ausgeben, da der tägliche statistische Schnitt bei weniger als 70 Euro liegt, sehr weit unterhalb der Durchschnittsausgaben in anderen Städten Andalusiens und nur noch in Huelva sparen die Besucher mehr als in Almería.
 
Auch wenn Almería zahlreiche Sehenswürdigkeiten und sehr interessante Erlebnisse bietet, so werden die Besucher aus Deutschland insbesondere von der Alcazaba und den Stränden der Stadt angezogen. Der Mehrheit dieser Besucher ist kaum bekannt dass ein Besuch der Alcazaba durch den Besuch des Museums von Almería ergänzt werden sollte, da man dort einen tieferen Einblick in die arabische Zeit, und die Vergangenheit Almerías, entdecken kann. Und auch die Schutzräume des spanischen Bürgerkriegs sind ein einmaliges Erlebnis, wie auch ein Spaziergang durch die Stadt um die unterschiedlichsten Drehorte internationaler Filme zu entdecken, verbunden mit dem Besuch im Filmmuseum der Stadt.